Peter Alexander Christerer - Mein elektronisches Tagebuch

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Was ist Glück? Teil 2
KommentierenKommentare (0) lesen als MP3 hören? klick mich #225 2019-03-11
Im letzten Beitrag erwähnte ich, dass ich in diesem Teil über einige Mythen zum Thema Glück etwas schreibe. Sonja Lyubomirsky eine weltweit anerkannte Autorität als führende Glücksforscherin, nennt sie die „Glücksmythen“.
Ich werde von 3 Gruppen je 2 Mythen aufgreifen und meine Einstellung / Erfahrung dazu aufschreiben. Die Gruppen beziehen sich auf Beziehung, Erfolg/Wohlstand, Gesundheit/Alter.
1. Beziehung
Eines der standhaftesten Mythen ist: „Bin ich erst mal mit dem „Richtigen“ verheiratet, werde ich glücklich sein“. Nun die Ehe oder auch eine feste, permanente Beziehung ist etwas Wunderbares und macht viele Menschen glücklich.
Das Problem dabei ist der Zeitfaktor. Viele Studien ergaben, dass der „Glückseffekt“ durch die Ehe nur 2 Jahre andauert. Danach fühlt man sich -trotz Idealpartner- nicht mehr so glücklich und fängt häufig an sich selbst zu zweifeln. Weder eine Ehe noch eine feste, dauerhafte Beziehung sind ein Garant für ewiges Glück. Völlig zurecht sagte mal ein ehemaliger Chef (weit mehr als 30 Jahre verheiratet) zu mir: „Eine Beziehung ist kein Selbstläufer. Um den Zusammenhalt muss man sich jeden Tag bemühen. Ein täglicher Kampf.“
Damit komme ich zum nächsten Mythos: „Wenn meine Beziehung zerstört ist, werde ich nie wieder glücklich sein“. Ich kenne niemanden, der nach dem Scheitern einer ernsthaften Beziehung nicht für eine Zeit „down“ war. Doch die Resilienz (psychische Widerstandskraft) des Menschen ist erstaunlich. Untersuchungen zeigten, dass der „Glückstiefpunkt“ bereits 2 Jahre vor der Trennung liegt und bereits 4 Jahre nach der Trennung, die Menschen glücklicher sind, als sie es in der Beziehung je waren.
Ein weiterer Mythos, welcher eng mit dem vorhergehenden verknüpft ist lautet: „Ohne Partner kann ich nicht glücklich sein“. Dazu möchte ich behaupten, dass jemand der es nicht für eine geraume Zeit probiert hat, einfach nicht mitreden kann. Noch schlimmer ist meine Vermutung, dass mir viele unglückliche „Beziehungsmenschen“ einreden möchten, ich MUSS doch eine Partnerschaft eingehen, sonst wäre ich zu einsam. Möglicherweise steckt etwas Neid auf meine Freiheit hinter diesen Äußerungen.
Es stimmt, ich bin die meiste Zeit allein, habe mich jedoch noch nie einsam gefühlt. Seit der Trennung 2008 von meiner 2. Ehefrau hatte ich einige Kurzbeziehungen, einige Langbeziehungen (mehr als 6 Monate), einige On/Off Beziehungen und einige Single Phasen. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass die 2. Ehe/Beziehung über die gesamte Zeit (ca. 15 Jahre) im Gegensatz zu den oben aufgeführten 2 Jahren, außerordentlich gut und so gut wie nie im Streit verlief. Bis heute besteht eine vertrauensvolle und auf gegenseitigen Respekt aufgebaute Verbindung.
Mein Fazit hierzu ist: Es muss schon verflixt genau passen, dass ich die zeitliche Freiheit für meine Projekte, Abenteuer, Freunde, Phantasien….. gegen eine permanente Beziehung/Ehe eintausche. Das alles sind Belohnungen für das Single-Leben und um das aufzugeben, erwarte ich logischerweise eine Gegenleistung oder wie es Mr. Waits sang: „There is always free cheddar in the mousetrap, baby. It’s a deal baby, it’s a deal!“
2. Erfolg/Wohlstand
Viele denken, dass sie erst glücklich werden können, wenn sie ihren Traumjob bekommen haben. Das ist ein Irrglaube! Wer vorher nicht glücklich ist, sollte nicht auf den „perfekten“ Job vertrauen. Es kann sogar gefährlich sein, wenn der Job dann nicht oder nur kurz das Glücksgefühl steigert. Man zweifelt an sich selbst, anstatt mit der Situation rational umzugehen und nach Lösungen zu suchen.
Hierzu passt ein Zitat (lässt sich leider nur schwer ins deutsche übersetzen) von Oscar Wilde: „There are two tragedies in life. One is to lose your hearts desire. The other is to gain it.“ Also in etwa: „Es gibt zwei Tragödien im Leben. Die eine ist seinen Herzenswunsch erfüllt zu bekommen. Die zweite ist, dass es dann nicht das ist, was man erwartet hat.“
Mit dem Job ist oft auch der Mythos verbunden: Sobald ich reich und erfolgreich bin, dann werde ich glücklich sein. Auch das kann sich als gefährlicher Trugschluss erweisen. Wenn man alles kaufen kann, wenn man alles erreicht hat, gibt es möglicherweise keine Ziele mehr und eine Leere kommt ins Leben. Dies kann große Enttäuschungen bis hin zur Depression mit sich bringen. Es geht nicht um die Höhe des Einkommens, sondern um seine Verwendung.
Mein Fazit hierzu ist: Mein ganzes Leben versuchte immer den Beruf auszuüben, der mich erfüllt. Ich hatte das Glück bei einem Arbeitgeber mehrere völlig unterschiedliche Tätigkeiten ausüben zu können. Hätte ich mich stromlinienförmig verhalten, wäre ich beruflich sicher viel weiter gekommen. Das war mir klar, doch es war eine bewusste Entscheidung gegen Geld und stattdessen ein glückliches Lebensgefühl zu wählen.
Ebenso lernte ich alle Facetten des Wohlstandes kennen. Von sehr wenig bis sehr hohes Haushaltseinkommen. Auch hier ein (schwäbisches) Zitat: „Schaffe, schaffe Häusle baue, Butterbrot statt Schnitzel kaue.“ Ich habe mich in jungen Jahren für das Schnitzel entschieden und esse jetzt sehr gerne Butterbrot (allerdings mit Tomate und Schnittlauch) und fühlte und fühle mich dabei überhaupt nicht unglücklich.
3. Gesundheit/Alter
Die Mythen: „Mit dieser Diagnose kann ich nicht leben“ und „Ich bin alt, meine besten Jahre sind vorbei“, hindern viele Menschen daran, ein glückliches Leben zu führen.
Zum ersteren -denke ich zumindest- bin ich geradezu prädestiniert etwas zu sagen, ohne jetzt alle meine teils sehr schwerwiegenden Krankheiten aufzählen zu wollen. Obwohl ich es inzwischen als Glück empfinde, über all die Menschen nur mehr schmunzeln zu können und nicht mehr wütend zu werden, die mir immer wieder mitteilen, „du hast ja einen Defibrillator implantiert bekommen, was soll da deinem Herz passieren“ oder ganz aktuell „Die Überlebenschancen bei Darmkrebs sind doch schon bei über 60%“. Yooo riiiichtig, das ist nicht überhaupt nicht mit der Mortalität von dem Schnupfen, an dem diese Personen bestenfalls erkranken, zu vergleichen.
Zurück zum eigentlichen Thema. Natürlich kann man mit nahezu jeder Diagnose leben UND glücklich sein. WIR (und das ist wissenschaftlich erwiesen) entscheiden welche Erfahrungen wir machen und welche nicht! Jeder muss für sich entscheiden, worauf er seine Aufmerksamkeit richtet und was er unterdrückt, umgeht oder ignoriert. Worauf du deinen Fokus richtest, wird Teil deines Lebens, der Rest fällt weg. Du kannst 24 Stunden jede Minute über deine Krankheit(en) nachdenken und vor lauter Grübeln was schiefgelaufen ist, vergessen sie zu bekämpfen. Oder du beginnst das Leben anzunehmen wie es ist und trotz deiner Krankheit vorwärts zu blicken und dein Leben verändern, in dem du deine Einstellung änderst.
Der zweite Mythos zum Thema alt ist ähnlich gelagert und zudem völlig falsch. Klar ist zumindest meinem Fall, dass ziemlich sicher schon mehr als 2/3 meiner Lebenszeit vorbei sind. Daraus zu schließen, dass meine besten Jahre vorbei sind, ist ziemlicher Humbug. Längst ist erwiesen, dass (zumindest in der „1.“ Welt) ältere Menschen glücklicher und zufriedener mit ihrem Leben sind, als Jüngere.
Wer nur die Statistiken über Selbsttötungen von Senioren und Altersarmut liest, wird eine andere Meinung haben. Dazu meine Empfehlung: Mal überlegen wie viele Millionen Senioren in Deutschland sehr mobil und gut situiert sind und mal mit offenen Augen durch die Welt gehen. Ob Sportstudio oder Shopping Mall, ob Kreuzfahrt oder Safari, überall sind heute die Senioren ganz vorne mit dabei. Bestimmt nicht weil sie so unglücklich sind.
Klar ist der zur Verfügung stehende Zeithorizont kürzer geworden, doch das motiviert mich noch mehr darin, mich auf die Gegenwart zu konzentrieren und meine Energie auf die Dinge zu lenken, die wirklich von Bedeutung sind.
Ich pflege die Beziehungen zu Menschen, die mir Nahe stehen jetzt deutlich intensiver und gebe die auf, die mir wenig oder nichts bringen. Es wird viel weniger Zeit und Kraft in neue Verbindungen investiert, das birgt das Risiko, Zeit zu verschwenden.
Wie sagt Sonja Lyubomirsky: „In gewisser Hinsicht werden wir beim Altern emotional weiser“. Dem habe ich nichts hinzu zu fügen, außer dass der nächste „Glücksteil“ vom „Fluch des positiven Denkens“ und „Trauer“ handeln wird.
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Ois Guade wünscht euch da Bäääda

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