Tagebuch von Peter Christerer

Peter Alexander Christerer - Mein elektronisches Tagebuch

Ich schreibe was mich nervt. Ich schreibe was mich freut. Wer es liest, der liest es. Wer nicht, der nicht. So what?
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Wenn der Mut auf Halbmast sinkt
KommentierenKommentare (0) lesen als MP3 hören? klick mich #2812019-10-17
Der Herbst steht vor der Tür und sofort fällt mir mein Lieblings Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke "Herbsttag" ein. Ursprünglich wollte ich einen Beitrag über die Schönheit dieser Jahreszeit schreiben. Da waren ein paar herrliche Tage mit Rad fahren und Spaziergänge.
Eigentlich Fan vom Frühling, muss ich zugeben, dass der Herbst schon auch ganz außergewöhnlich ist. Der Geruch der Luft und Erde wenn man durch einen Mischwald oder Park geht, das Rauschen der Blätter im Wind, das Knirschen des Laubs wenn man durch die Haufen marschiert. Dann habe ich auch noch alte Bekannte getroffen und extrem entspannt mitten im Oktober im Freien Cappuccino geschlürft und leckeren Kuchen verzehrt.

Doch ich habe schon öfters festgestellt, dass wenn es mir richtig gut geht, der dicke Hammer ganz sicher auf meinem Kopf landet. Diesmal kam er in Form von Anrufen der Krankenkasse, des Arztes und des Rechtsanwalts. Zuerst kroch die Zukunftsangst in mir hoch, denn finanziell steht es nach einem Jahr Krankengeld noch viel schlechter, als es ohnehin schon war.
Dann kam die Wut! Wahrscheinlich bin ich intellektuell nicht gebildet genug um zu begreifen, dass es nicht ausreicht, 44 Jahre voll in die Sozialsysteme einbezahlt zu haben, an erheblichen dauerhaften, nachgewiesenen körperlichen Schäden und verschiedenen massiven Traumata leidet, um einfach in Ruhe gelassen zu werden und vielleicht noch ein paar Jahre seinen Ruhestand genießen kann.
Natürlich wird die Wut nicht kleiner, wenn ich dann sehe wie Menschen, welche im Verhältnis zu mir nur einen Bruchteil oder gar nichts in das Sozialsystem eingezahlt haben, proportional deutlich bessergestellt sind. Offensichtlich ist es viel wertvoller, wenn man sein Leben aufs Spiel setzt um seine eigene wirtschaftliche Lage (und die seiner Familie in fernen Ländern) zu verbessern, als wenn man sein Leben auf Spiel setzt und für "sein" Land Informationen aus anderen Ländern beschafft. Über den Sinn oder Unsinn kann man genauso diskutieren, wie man diskutieren kann, ob es sinnvoll ist Verkehrsampeln aufzustellen.

Die Wut wich dem Nachdenken und das führte geradewegs in die Resignation. Man sagt, das Gehirn speichert jeden Sonnenbrand, jede Erkrankung, jeden chirurgischen Eingriff, jede psychische Stresssituation etc. Nun wenn ich mal die Kinkerlitzchen wie Lungenentzündung, Luxationen, Herzinfarkt usw., oder psychische "Spinnereien" wie Tod der Eltern in jungen Jahren, Scheidungen, Nahtoderfahrungen, Bürgerkriegserlebnisse u.a.m. einfach weglasse, bleiben -wenn ich mich mit einem Pkw vergleiche- 4 Totalschäden, die man mehr oder weniger gut wieder zusammengeflickt hat.
Nun als Mensch mit analytischen und logischen Fähigkeiten sage ich mir, dass wenn jetzt zu diesen Folgebeschwerden (wer es nicht glaubt soll sich ein paar meiner chronischen Schäden aneignen) auch noch die üblichen Altersbeschwerden kommen und die finanzielle Situation auf Jahre hin eher unterirdisch ist, tja dann sinkt der Mut auf Halbmast. Ich spüre dass ich keine Power mehr habe zu kämpfen. Irgendwann muss mal Schluss sein, es ist einfach genug! Das ständige Aufbäumen, Medizin schlucken und schlaue Sprüche anhören wie "positiv denken", "du musst dagegen angehen", "du bist stark" usw., geht mir auf die Nerven! Es macht einfach müde und mürbe. Das zahlt sich nicht aus, wie mein Freund Herbert sagen würde.

Als erste Konsequenz habe ich entschieden, dass ich die Medikamente vollständig absetze. Montagmorgen kommen die Herz-, Blut-, Leber- und Magenmedikamente in den Müll. Bei den Schmerz- und Schlaftabletten bin ich mir noch nicht sicher, auch wenn die meine Leber und mehr kaputt machten. Ich bin halt ein Weichei. Krebsnachsorge findet nicht mehr statt und dem Kardiologen habe ich letztes Mal schon gesagt, dass er sich das Batteriemessen an meinem Defibrillator sparen kann, denn einem weiteren Austausch stimme ich nicht mehr zu. Wer weiß vielleicht sterbe ich ein paar Jahre früher, so what? Es könnte aber sein, dass ich mich befreit fühle.

Leider hat mir die ganze Situation jegliche Vorfreude auf das Wochenende geraubt und das ist wirklich schade. Aber vielleicht gelingt es mir ja, mich wenigstens ein bisschen aus dem Sumpf zu ziehen. Jetzt geht es zuerst mal in die Küche und da wird Chili con carne im leicht abgewandelten Texstyle (Bohnen und Mais gehören nicht ins Chili) gekocht.
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