Tagebuch von Peter Christerer

Peter Alexander Christerer


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Ich schreibe was mich nervt. Ich schreibe was mich freut. Wer es liest, der liest es. Wer nicht, der nicht. So what?
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Ois Guade wünscht eich da Bäääda

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#355-21.11.2020 da Bäääda und die Nostalgie
Lang hat's dauert bis ich registriert habe, dass man mit einer Küchenmaschine auch ein Wurstbrät herstellen kann. Zwar Lichtjahre entfernt von dem was ein Blitz in der Wurstküche fabriziert, aber essbar. Da mir ohnehin am heftigsten in Berlin Leberkas, Weißwürst, Kalbskas und Gelbwurst fehlt und dafür kein Räuchern -zur Not wäre der Geschmack sogar mit Flüssigrauch herzustellen- erforderlich ist, habe ich mich gestern aufgemacht und den ersten ernstzunehmenden Versuch gestartet.
Dank Internet bekommt man nahezu alle Zusatzstoffe. Vor allem das, das den Metzger zum größten Zauberer macht. Wer schafft es sonst schon, dass du Wasser mit Messer und Gabel isst. Durch die vielen türkischen Supermärkte ist es kein Problem, erschwingliches Kalbshackfleisch zu bekommen und rohen Speck hatte Rewe.
Der "Hausfrauenblitz" wackelte und rumpelte, dass es eine wahre Pracht war. Glücklicherweise ereilte nicht der Überhitzungstod das arme Ding . Und dann kam der Nostalgie- und Sentimentalitätshammer. Als ich die Form für den Kalbskas einfettete sah ich mich mit meinem Vater in der Wurstküche in Solln stehen. In Gummistiefel und saukalt war es. Dann kam regelmäßig der Spruch von Vater, für den ich ihn ganz besonders mochte: "Wennst de bewegst, dann frierst ned". Stimmt, nur meine Zehen hielten sich nicht daran. Es war eine schöne Zeit! Weniger Nostalgie und schon gar nicht Sentimentalität kam auf, als es ans Putzen ging. Vati erklärte mir gefühlt 100.000X, dass Sauberkeit in der Metzgerei wichtig ist. Das ist richtig und immer noch tief in mir versteckt. Doch das Brät wegzubekommen, besonders ohne Wurzelbürste, in kleinen Spielzeugmaschinen und auch nicht die Möglichkeit mal schnell einen 10 Liter Eimer mit fast kochendem Wasser darüber zu schütten, das ist eine Herausforderung und zählt definitiv NICHT zu meiner Lieblingsbeschäftigung.

Das Ergebnis? Sauguad! Geschmacklich so wie ich es mag und in Erinnerung habe. Konsistenz ausbaufähig, was allerdings nicht an mir, denn der Fett- und Wassergehalt stimmte, sondern an den Geräten lag. Und wenn ich daran denke, dass ich das letzte Mal vor 40 Jahren in einer Wurstküche tätig war, bin ich schon ein bisschen stolz, dass es so gut geworden ist. Und das Beste kam mir jetzt unterm Schreiben: Ich kann ja jetzt eine "Rindsbratwurst" wie früher machen. Damals gabs die an jeder Würstlbude und von mir bevorzugt beim Donisl. Doch seit geraumer Zeit sind die im Nirvana verschwunden. Genauso wie Stockwürste. Ich glaube das Projekt "mission impossible" führt nun den Namen zurecht. ;-)

Natürlich darf auch heute Corona nicht fehlen. Doch weniger das Virus, sondern für was es alles herhalten kann. Sogar dafür, dass eklatante Verstöße gegen unsere Verfassung und die Grundrechte vom Bürger klaglos hingenommen werden. Jetzt ist dieses Gesetz mit dem unaussprechlichen Namen in Kraft (wurde ganz fix von Steinmeier unterzeichnet und im Bundesgesetzblatt veröffentlicht) und da -neben viel anderen- steht drin, dass Behörden -denn nichts anderes ist eine Polizeibehörde- das Recht auf körperliche Unversehrtheit und die Unverletzlichkeit der Wohnung einschränken darf. Yoooo das hatten wir schon einmal. Statt GeStaPo steht halt jetzt die CoStaPo vor der Tür. Als nächstes werden wir mal schön die Bücher verbrennen, denn das verschlimmert den Drang nach Kontakten. Bücherverbrennung, etwas worin wir Erfahrung haben.

Aber was kann man erwarten, wenn sich ein großer Teil der Bevölkerung von früh bis spät die heutige Musik reinzieht. Seit ich viel zuhause bin, läuft relativ oft der Radio mit einem der Standardsender. Also echt 95% der Lieder sind Text frei. Stimmt nicht! Eher Sinn frei. Die eine singt 25x hintereinander "What about us?" um von mindestens 15x "how deep is your love" abgelöst zu werden. Herzilein, ich kann dir sagen: Die ist ganz flach die Liebe, wenn du mich 15x hintereinander danach fragst! Der nächste knallt dir 20x um die Ohren "I'm in love with your BODY!" Wenn da Bäääda der alte Lustmolch das sagt, dann heißt es er ist ein chauvinistischer Sexist, weil er gar nicht auf die inneren Werte eingeht. Hey Leute, mir reicht der Krebs im Darm. Ich brauche nicht noch einen im Gehörgang, bei so einem Gebrösel was die absondern. Sicher hat es das früher auch gegeben, war aber eher die Ausnahme. Vielleicht höre ich deshalb so gern Rigoletto mit seinem "La donna è mobile" oder eben gleich mit Rammstein eins ohne Umwege direkt ins Kleinhirn.

Inspiriert durch die herrlichen Geschichten von Sigi "Blasius" Sommer beim Spaziergang durch München und meinem ständig wachsenden Bauchumfang bei gleichzeitig ständig schrumpfendem Bewegungsdrang, habe ich mich entschlossen nach Möglichkeit täglich etwa 30 Minuten durch Steglitz zu strawanzen. Ich kann euch sagen: Wer die Augen aufmacht, der sieht was! Das ist fast so wie früher, als ich im Cafe von shopping malls saß und die Leute vom Kampfbomber bis hin zum Spargeltarzan beobachtet habe. Mal schaun ob sich nicht ein paar schöne G'schichterl ergeben.


Ois Guade wünscht euch da Bäääda

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