Peter Alexander Christerer

Wer mir das Leben erklären kann, ist ein Held für mich!

Ich schlage mich durchs Leben und das Leben schlägt zurück.
Aber manchmal schlägt's daneben, denn manchmal hab ich Glück!

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Ein glückliches Leben? Kommentieren MP3

Glück? Was bedeutet Glück? Heißt das großer Wohlstand? Eher gute Gesundheit? Etwa eine langanhaltende, harmonische Beziehung? Großer Erfolg und Anerkennung im Beruf? Vielleicht alles zusammen? Oder doch ganz etwas anderes?
Bereits die Überschrift ist zu diskutieren. Kann es ein glückliches Leben überhaupt geben? Wie sollte das aussehen?
Ich werde versuchen, mein bisheriges Leben Revue passieren zu lassen. Dabei werde ich die wesentlichen Ereignisse aus meiner Sicht bewerten und dann ein Fazit schreiben.
Die nachfolgende Geschichte gibt ein gutes Beispiel ab wie schwer es ist, Glück zu definieren.

Es war einmal ein Berg. Daneben stand ein Hügel und dazwischen lag ein Tal. Eines Tages kamen drei Menschen des Weges und beschlossen, in der Gegend zu bleiben. Es waren zwei Männer und eine Frau.
Der eine Mann war groß und stark, und als er den Berg erblickte, sagte er sofort: "Ich gehe auf den Berg." Danach wandte er sich um und ging weg. Doch nach wenigen Schritten blieb er wieder stehen und rief den anderen Mann zu sich. "Komm mit auf den Berg!" rief er und winkte mit dem Arm.
Doch der andere Mann, er war viel kleiner und lange nicht so stark, blickte zaghaft zu ihm auf und sagte leise: "Ich kann nicht." Der große Mann sah ihn verwundert an und fragte: "Warum nicht?"
Der kleine Mann machte ein trauriges Gesicht und flüsterte: "Ich will auf den Hügel." Da lachte der große Mann lauthals und rief: "Was willst du denn auf dem kleinen Hügel? Ich will hinauf zur höchsten Spitze! Ich will die Welt zu meinen Füssen! Komm mit, und vielleicht können wir sogar das Meer sehen!"
"Ich kann nicht", sagte der kleine Mann noch einmal und man konnte sehen, dass er zitterte. "Du bist ein Schwächling und ein Feigling, du solltest dich schämen!" sagte der große Mann sehr verächtlich und wandte sich abermals zum Gehen.
Mit großen, kräftigen Schritten entfernte er sich rasch, und bald konnte man sein Lachen nur mehr ganz leise hören...
So ging denn jeder seine Wege. Die Frau blieb im Tal, denn es gefiel ihr, und sie war zufrieden. Der kleine Mann ging auf den Hügel und sie hörten längere Zeit nichts voneinander.
Doch eines Tages begann die Frau sich ein bisschen einsam zu fühlen und sagte zu sich: "Ich werde jemanden besuchen gehen." Sie dachte an den großen, starken Mann und seufzte. Der Berg war so hoch dass sie nicht einmal den Gipfel sehen konnte. Wie sollte sie jemals zu ihm gelangen?
Es war nicht möglich, sie konnte es nicht. Also machte sie sich auf den Weg den Mann am Hügel zu besuchen. Als es Abend wurde gelangte sie zu seinem kleinen Haus.
Der kleine Mann freute sich närrisch über den Besuch und war sehr lieb zu ihr. Sie beschlossen zusammen zu bleiben und waren sehr glücklich.
Der große Mann aber stand auf dem Berg und er konnte tatsächlich das Meer sehen...


Wer kann nun sagen, ob und wenn ja wer denn nun glücklich ist? Die Frau, die seufzt, wenn sie an den großen starken Mann denkt? Der kleine Mann, der zittert, weil er zu schwach ist den Berg zu besteigen? Der große Mann, der das Meer sehen kann, aber allein ist?
Ist Glück etwas Dauerhaftes oder Temporäres? Braucht man Wohlstand zum Glück? Manch einer genießt die Ruhe allein zu sein, ein anderer ist verzweifelt, weil er sich einsam fühlt. Die Geschichte vom Glück ist nicht schnell erzählt, sondern eine never ending story.

Nicht wenige Menschen glauben daran, dass Geld und Wohlstand Garanten für ein glückliches Leben sind. Viele werden spielsüchtig und schon ist genau der gegenteilige Effekt erzielt. Mit dem Drang unbedingt Geld und Wohlstand heranzuschaffen, werden häufig ganze Familien zerstört. Ob der "gewonnene" Reichtum überhaupt das gewünschte Ergebnis brächte, steht auf einem anderen Stern. Das zeigen oftmals die gescheiterten Lottomillionäre. Natürlich ist es leichter mit vollen Taschen durchs Leben zu gehen, doch macht es mich glücklicher ein Glas Champagner anstelle von Wasser zu bekommen, wenn ich sehr durstig bin? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich mit viel Geld im background etwas beruhigter war als in Zeiten ziemlicher Geldnöte. Doch glücklicher war ich deshalb nicht.

Bisher erlitt ich in meinem Leben mehrere Krankheiten, manche durchaus lebensbedrohend. Öfters hörte ich dann: "Da hast du aber Glück gehabt". Sicher, einen 45-minütigen Herzstillstand zu überleben, das ist Glück. Aber wäre es nicht eher Glück gewesen, erst gar keinen zu erleiden?
Klar war es Glück, als erst kürzlich eine Krebserkrankung im dritten, also vorletzten Stadium entdeckt wurde. Die Operation verlief gut und bis jetzt wurden keine Metastasen gefunden. Doch was bleibt ist die Angst. Ich wäre wohl bedeutend glücklicher, wenn es nur eine harmlose Infektion anstatt eines Krebses gewesen wäre.

Wie kann ich von einem glücklichen Leben sprechen, wenn in einem Zeitraum von wenigen Jahren, als ich zwischen 10 und 21 Jahre alt war, in kurzen Abständen mein Bruder, dann meine Mutter und zuletzt mein Vater verstarben? Etwas das mich bis heute nicht loslässt! Doch ebenso fielen in diesen Zeitraum Ereignisse, die mich sehr glücklich machten. Der Schulabschluss, die Ausbildung bei meinem Vater zum Metzger. Die erste Liebe, die Geburt des ersten Kindes und vieles mehr.

Die Philosophen lasse ich zum Thema Glück mal außen vor. Nicht jedoch die Wissenschaftler. Diese haben sicher Recht, wenn sie Glück als Hormone definieren. Oxytocin, Dopamin, Serotonin, Endorphine…. Ich weiß nicht, welche Hormone ein Marathonlauf bei mir aktivieren würde, könnte aber auch zur Überforderung führen. Schokolade erzeugt glücklich stimmende Hormone. Doch regelmäßig meldet sich nach der 3. Tafel das schlechte Gewissen bei mir. Lachen soll sehr stark das Glücksgefühl steigern. Leider sind die Tagesschau Nachrichten und die Gespräche mit meinem Arzt meistens nicht sehr lustig.

Manche suchen ihr Glück in der Karriere, der Anerkennung im Beruf. Doch sind workaholic wirklich glücklicher als die "Faulen". Macht das Lob der Vorgesetzten oder der Partner glücklich oder ist es nur die Befriedigung des eigenen Ehrgeizes. Der Drang nach "Ruhm" und Dominanz?
In meinem eigenen Fall kann ich sagen, dass ich sehr stolz auf das Erreichte war. Wenn man meinen Bildungsstand und die Herkunft berücksichtigt, bin ich ganz schön weit gekommen. Doch je höher ich aufgrund der ausgeübten Tätigkeiten -nicht wegen der Position- aufstieg, desto unglücklicher wurde ich. Es erforderte Empathie- und Skrupellosigkeit, erschütterte mich und machte mich ganz und gar nicht glücklich. Trotz großen Erfolges und guter Ergebnisse. Also liegt hier wohl auch nicht der Schlüssel für ein glückliches Leben.

Was bleibt ist die Liebe. Doch wie oft gibt es die im Leben? Wie oft geschieht es, dass zwei Menschen über sehr lange Zeit den gleichen Weg beschreiten wollen und können? Was geschieht nach dem "falling in love", dem verliebt sein? Wird Liebe daraus und beschert mir ein glückliches Leben? Oder wird es wie Konstantin Wecker einmal sang: "Liebe? Was damit wohl gemeint ist? Ich sehe mein Gesicht an, das meistens verweint ist. " Warum sollte mein Leben dadurch glücklich werden? Die Sorgen verdoppeln sich. Die ganzen Kompromisse, welche schon beim abendlichen Fernsehen beginnen. Die meist vorhandene moralische Verpflichtung auf Dauer nur einen Sexualpartner zu haben. Die Nickeligkeiten über die Frisur oder den Bierbauch. Die tägliche Routine und gegenseitige Rücksichtnahme. All das soll mir ein glückliches Leben garantieren? Oder ist hier der Wunsch nach "nicht allein sein" im Vordergrund. Verdrängt die Bequemlichkeit, das Vertraute, den Drang nach einem glücklichen Leben? Das bedeutet nicht, dass man deshalb unglücklich ist, es plätschert halt so dahin.
In zwei langjährigen (jeweils ca. 15 Jahre) anhaltenden Lebensgemeinschaften gab es viele glückliche Zeiten, aber genauso auch weniger Schöne. Von einem glücklichen Leben möchte ich daher nicht sprechen, sondern eher von Glücksmomenten. Speziell da in der ersten Beziehung vielfach die Kinder dafür verantwortlich waren. Die Trennungen dagegen sind ganz und gar nicht glücklich und können für lange Zeit keine Glücksgefühle aufkommen lassen. Deswegen sage ich, dass für MICH Liebe und Partnerschaft zwar das glücklich sein erleichtern können, aber nicht der Schlüssel sind.

Also was denn nun? Kann man Glück kaufen? Gott sei Dank nicht! Sonst wären wir wieder in zwei oder drei Klassen Gesellschaften eingeteilt.
Doch Glück kann man spüren. Man sieht es am Lächeln der Leute, hört es am Klang der Stimme und fühlt es an der Außenwirkung, die glückliche Menschen ausstrahlen.
Ein glückliches Leben ist für mich die Balance der positiven und negativen Eindrücke des Lebens. Entscheidend hierbei ist die Abwechslung, das Auf und Ab. Nach einem Glückserlebnis muss wieder etwas Unangenehmes kommen. Der Spannungsbogen muss erhalten bleiben. Wie langweilig wäre z.B: der immer gleiche Gegner beim Schach, wenn dieser nicht ebenbürtig ist und ich immer gewinnen werde? Was wäre eine andauernde Beziehung ohne Reibereien? Erst bei der Versöhnung entstehen die Glücksmomente. Wo die Anspannung fehlt wird es langweilig und lässt keine Glücksgefühle aufkommen. Ohne Spannung im Leben ist man nicht glücklich, da die Angst was noch kommen könnte, das Glücklichsein blockiert.
In meinem Leben gab es sehr, sehr viel "Auf und Ab". Viel Trauriges, viele Kämpfe und Probleme. Oft stimmte ich Peter Fox zu: "Gott hat einen harten linken Haken". Doch am Ende schien bisher immer die Sonne und auch im Bereich Gesundheit konnte ich dem "Boandlkramer" noch immer die lange Nase zeigen. Mein Optimismus, meine Abenteuerlust, meine Neugier und last but not least meine positive Lebenseinstellung ist -trotz momentan schwieriger Zeit- ungebrochen und daher bezeichne ich mein Leben als glückliches Leben. Was immer die Zukunft auch bringen mag -und ich denke ein paar highlights werden noch kommen-, das Glückskonto ist gut gefüllt. Da wäre schon viel Schlimmes notwendig um es ins Minus zu drehen.

Fazit:
Glück ist etwas völlig Individuelles. Genauso wenig lässt sich Glück konservieren. Was Georg Danzer in seinem Lied "Die Freiheit" sang, trifft auch auf das Glück zu: "Die Freiheit ist ein ganz wundersames Tier….Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg…". Wer versucht das Glück festzuhalten, wird es verlieren. Wie ein zartes Pflänzchen. Wenn man dieses festhält, wird man es zerdrücken und es wird verblassen und eingehen.
Ebenso kann man das Glück nicht suchen, es muss zu einem kommen. Das Leben einfach nehmen wie es kommt und auch kleine Dinge wertschätzen, dann werden die Glücksmomente schnell zunehmen. In diesem Sinne wünsche ich jedem eine glückliche Zeit.


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